Gallenpolypen: Ursachen, Diagnostik und Behandlung
Als Gallenpolypen bezeichnet man Schleimhautvorwölbungen an der Innenwand der Gallenblase. In den meisten Fällen handelt es sich um Zufallsbefunde im Rahmen einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung, die überwiegend gutartig und harmlos sind.
Arten von Gallenpolypen
Mediziner unterscheiden bei Polypen in der Gallenblase zwischen echten Gewebeneubildungen und sogenannten Pseudopolypen:
- Cholesterinpolypen (Pseudopolypen): Machen über 60 bis 70 % aller Befunde aus. Sie entstehen durch lokale Cholesterinablagerungen in der Gallenblasenwand, sind völlig harmlos und weisen kein Entartungsrisiko auf.
- Entzündliche Polypen: Entstehen als Reaktion auf chronische Reizungen der Gallenblasenwand (z. B. durch wiederholte Entzündungen oder Gallensteine). Sie sind ebenfalls gutartig.
- Echte Adenome: Echte, gutartige Tumorneubildungen des Drüsengewebes. Sie sind seltener, können jedoch im Laufe der Zeit an Größe zunehmen und tragen ein gewisses Risiko, sich bösartig zu verändern (Gallenblasenkarzinom).
Verursachen Gallenpolypen Symptome?
Die allermeisten Gallenblasenpolypen verursachen keinerlei Schmerzen oder Beschwerden. Nur in sehr seltenen Ausnahmen – etwa wenn ein Polyp nahe am Ausgang der Gallenblase (Ductus cysticus) sitzt und den Abfluss der Gallenflüssigkeit behindert – kann es zu dumpfem Druck im rechten Oberbauch, Übelkeit oder leichten Krämpfen kommen.
Diagnose im Ultraschall: Wie unterscheidet der Arzt Polypen von Steinen?
Im Ultraschall lassen sich Gallenpolypen recht gut von Gallensteinen abgrenzen:
- Fixierung: Polypen sitzen fest an der Gallenblasenwand und bewegen sich auch bei Lageveränderungen des Patienten nicht. Steine hingegen rollen der Schwerkraft folgend mit.
- Kein Schallschatten: Im Gegensatz zu harten Gallensteinen werfen Polypen im Ultraschallbild keinen typischen dunklen „Schallschatten“.
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Da man im Ultraschall die genaue Zellstruktur des Polypen nicht sicher bestimmen kann, richtet sich die Behandlungsstrategie nach der **Größe, dem Wachstum und Risikofaktoren**:
- Kleine Polypen (unter 6 mm): Das Risiko für Bösartigkeit ist extrem gering. In der Regel reicht eine verlaufskontrollierende Sonografie nach 6 bis 12 Monaten aus.
- Mittlere Polypen (6 bis 9 mm): Hier wird zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in kürzeren Abständen (alle 3 bis 6 Monate) geraten. Zeigt sich ein schnelles Größenwachstum, wird eine vorsorgliche Entfernung empfohlen.
- Große Polypen (ab 10 mm / 1 cm): Ab dieser Schwelle steigt das Entartungsrisiko deutlich an. Internationalen Leitlinien zufolge wird hier meist zur vorbeugenden operativen Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) geraten.
- Zusätzliche Risikofaktoren: Liegen gleichzeitig Gallensteine vor, ist der Patient über 50 Jahre alt oder zeigt der Polyp ein breites Aufsitzen an der Wand (sessiler Polyp), kann eine OP bereits bei kleineren Polypen sinnvoll sein.
Therapie & Nachsorge
Eine rein medikamentöse Therapie zum Auflösen von Gallenpolypen existiert nicht. Wenn eine Behandlung notwendig ist, wird stets die gesamte Gallenblase samt Polypen im Rahmen eines schonenden, minimal-invasiven Eingriffs (Laparoskopie) entfernt.
Informieren Sie sich auch über den Ablauf der Ultraschall-Untersuchung der Galle oder lesen Sie unseren Beitrag zu Gallengries (Sludge).